KW 05: Seehofer streicht automatische Gesichtserkennung aus Polizeigesetz, EU-Parlamentarier fordern transparente KI, Twitter mahnt Clearview AI ab

NACHRICHTEN

Seehofer streicht automatische Gesichtserkennung aus Polizeigesetz: Die Nutzung von künstlicher Intelligenz zum Zweck der Gesichtserkennung soll aus dem neuen Polizeigesetz gestrichen werden. Der Punkt stand zuvor stark in der Kritik. Innenminister Horst Seehofer sagte, er habe “noch einige Fragen” zu dem Thema. Da das Thema keine “nebensächliche Angelegenheit” sei, sei die Gesichtserkennung aus dem Gesetzesentwurf gestrichen worden. Zuvor sah der Entwurf noch vor, Kameradaten automatisch mit biometrischen Daten abzugleichen, wenn es sich gesuchte Personen handele. Die Gesichtserkennung sollte an 135 Bahnhöfen und 14 Flughäfen eingesetzt werden. Kritiker warnten nicht nur vor der Verletzung des Datenschutzes, sondern auch vor der Unzuverlässigkeit des Systems. Bei einem Test mit Freiwilligen am Berliner Bahnhof Südkreuz wurden Menschen teilweise falsch als verdächtig identifiziert.
fr.de, sueddeutsche.de

EU-Parlamentarier fordern transparente KI: Der für den Binnenmarkt und Verbraucherschutz zuständige Ausschuss des EU-Parlaments fordert, bei KI-Systemen nur erklärbare und unvoreingenommene Algorithmen einzusetzen. Damit könne die Akzeptanz und das Vertrauen der Verbraucher in künstliche Intelligenz erhöht werden. Geht es nach den Parlamentariern, dürfen für das Training der KI nur Datensets eingesetzt werden, die bestehende Vorurteile nicht verstärken. Sollten Fehler passieren, müssten Verbraucher die Möglichkeit haben, gegen von künstlicher Intelligenz getroffene Entscheidungen und Einschätzungen rechtlich vorzugehen. Auch sollte es immer die Möglichkeit geben, KI-Entscheidungen von Menschen überprüfen zu lassen, sodass diese in letzter Instanz verantwortlich sind. Der Ausschuss fordert eine allgemeine Aufklärung der Verbraucher, damit diese verstehen, wie KI-Systeme funktionieren und wie sie Menschen mit Entscheidungsbefugnis erreichen könnten.
heise.de

Twitter mahnt Clearview AI ab: Das US-Unternehmen Clearview AI wurde von Twitter in einer Abmahnung dazu aufgefordert, die Bilder, die von dort bezogen wurden, aus seiner Datenbank zu löschen. Das Abgreifen der Bilder ohne Einverständnis der Nutzer oder Twitter verstoße gegen die Geschäftsbedingungen. In der letzten Woche wurde bekannt, dass Clearview AI massenhaft öffentlich zugängliche Bilder von Personen heruntergeladen hatte, um daraus eine Datenbank zu erstellen, die für Gesichtserkennung genutzt werden kann. Das Unternehmen soll mit mehreren hundert US-Behörden kooperieren. Auch mehrere US-Senatoren zeigten sich besorgt über die Methoden des Unternehmens und forderten Aufklärung sowie ein Treffen mit dem Mitgründer der Firma, Hoan Ton-That. Die Gründer halten sich jedoch bisher bedeckt und sind für die Medien nicht zu erreichen.
spiegel.de

Clean IT könnte zu nachhaltiger KI führen: Digitalisierung und künstliche Intelligenz können ein Beitrag leisten, um Umweltprobleme zu lösen, tragen jedoch gleichzeitig zur Umweltbelastung bei. Laut einer Studie des MIT ist die CO2-Belastung für das Training eines modernen neuronalen Netze gleichzusetzen mit dem fünffachen CO2-Fußabdruck des Lebenszyklus eines Kraftfahrzeugs. Je ausgeklügelter und verbreiteter die Technik wird, desto höher wird dabei auch der benötigte Energieverbrauch. Gleichzeitig sorgt KI dafür, dass gerade in Entwicklungsländern Energie eingespart werden kann. Um Algorithmen effizienter zu gestalten, wird am Hasso-Plattner-Institut erforscht, wie der Aufwand in den Rechenschritten beim Training einer KI gesenkt werden kann. Mit der sogenannten “Clean IT” ließe sich demnach 20 mal so viel Energie sparen.
spiegel.de

Auszeichnung: Deutscher KI-Forscher Wahlster in Prag ausgezeichnet sueddeutsche.de
Start ups: 25 Millionen für Künstliche Intelligenz aus Berlin gruenderszene.de
Navigation: Facebook entwickelt Algorithmus, der sich ohne Kartenmaterial in unbekannter Umgebung zurechtfindet deutschlandfunk.de
Gesundheit: Bayerisches Krankenhaus nutzt künstliche Intelligenz für Darmspiegelung aerzteblatt.de.de

ZAHL DER WOCHE

Etwa 20 Milliarden Euro will die Europäische Union in KI investieren. Im Vergleich dazu planen die USA und China jeweils Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar.
welt.de

HINTERGRUND

Mahnung per KI: Eine Studie, die vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass KI künftig das Kaufverhalten im Einzelhandel stark beeinflussen wird. Die Studie wurde durchgeführt vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), vom EHI Retail Institute und der Berliner Firma Youse. KI könne dabei helfen, mittels Daten, zum Beispiel über Verkäufe, Wetterinformationen und Preisaktionen, Muster zu erkennen und so Prognosen zu erstellen. Praktisch für alle Bereiche des Einzelhandels, von der Sortimentsplanung bis zur personalisierten Werbung könne KI eingesetzt werden. Die Studie schlägt auch ein Konzept für ein intelligentes Mahnverfahren vor, um Kunden zum Beispiel per E-Mail an nicht bezahlte Rechnungen zu erinnern. Dank frühzeitiger Erkennung ließen sich auch präventiv Kunden erreichen. Die KI könne dann entscheiden, auf welchem Weg und in welchem Ton Personen angesprochen werden würden. Laut Studie wird KI im Einzelhandel zur Zeit vor allem für Bestandsmanagement, Betrugserkennung und personalisiertes Marketing genutzt.
heise.de

KI steigert Effizienz in vielen Unternehmensbereichen: Immer mehr Unternehmen nutzen KI, um effizienter zu werden. Dabei sind sowohl die Unternehmen als auch die Art der Anwendungen vielfältig. Beispielsweise nutzen Logistikkonzerne künstliche Intelligenz, um Waren besser anzuordnen, Laufwege der Mitarbeiter zu verkürzen und Schulungszeiten von neuen Angestellten zu verringern, während der Pharmakonzern Pfizer mittels KI die richtigen Teilnehmer für medizinische Studien auswählt. Versicherungskonzerne können dank KI Satellitenbilder auswerten, um frühzeitig Schäden zu erkennen. Jana Koehler vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) betont zwar, dass sich KI bisher noch mit Abstraktion schwer tue, in einigen Bereichen sei die Technik jedoch bereits dem Menschen überlegen. Laut einer internen Umfrage bei den Teilnehmern der Tagung “Strategisches IT-Management” des Handelsblatts zeigt sich allerdings, dass nur 14 Prozent der befragten Firmen KI im täglichen Betrieb einsetzen. 60 Prozent der Firmen würden noch an Konzepten für KI-Anwendungen arbeiten. Künstliche Intelligenz wird von den Firmen vor allem genutzt, um die interne Effizienz zu verbessern.
handelsblatt.de

PROJEKT DER WOCHE

Emotionaler Roboter im Weltraum: Ein neues KI-System, das von der NASA in Zusammenarbeit mit der australischen Firma Akin entwickelt wird, soll Astronauten, die auf langen Weltraumreisen unterwegs sind, psychologische Unterstützung bieten. Die Entwickler wünschen sich eine KI, die nicht nur Kurs und körperliches Befinden der Astronauten überwacht, sondern auch deren Verhalten beobachtet. Bislang hätten solche KI-Systeme den Nachteil, “keine psychologische Bedeutung” zu erkennen, so die Psychologin Lisa Feldmann Barrett von der Northeastern University. Die KI konzentriere sich nur auf physische Bewegungen der Beobachteten. Die Situation in einem Raumschiff könne dabei helfen, emotional-intelligente KI-Systeme zu entwickeln. Die Bedingungen dort seien ideal für das Training der künstlichen Intelligenz, da die Technologie nur mit einer kleinen Anzahl von Menschen interagieren müsse.
heise.de

ZITAT

“Ich würde es begrüßen, wenn in Europa die Gesichtserkennung im öffentlichen Raum untersagt würde.”
Ulrich Kelber, der Bundesbeauftragte für Datenschutz, warnt im Zuge des Clearview AI Skandals vor automatischer Gesichtserkennung.
br.de

UNGEKÜNSTELT

Digitaler Pranger: In der chinesischen Stadt Suzhou wurden Menschen, die im Schlafanzug das Haus verlassen, durch eine künstliche Intelligenz öffentlich zur Schau gestellt. Mittels automatischer Gesichtserkennung wurden mehrere Bürger identifiziert, die offenbar nicht angemessen gekleidet waren. Die Stadtverwaltung veröffentlichte die Bilder der Menschen dann zusammen mit deren Ausweisnummern auf dem offiziellen WeChat-Account der Stadt. Die Verwaltung löschte die Bilder wieder und entschuldigte sich, nachdem sie für die Veröffentlichung kritisert wurde.
futurezone.at

Newsletter anmelden

Melden Sie sich hier für unseren kostenlosen Newsletter an. Sie erhalten jede Woche den kompakten Digest mit dem wichtigsten Themen zu Künstlicher Intelligenz:

AI-Ticker

Weitere Digibriefings

Unsere Politbriefings