KW 18: Bundesregierung nicht an Zwischenergebnissen der Enquete-Kommission interessiert, MIT beendet Kooperation mit chinesischem KI-Unternehmen, Wenn KI-Forschung gefährlich wird

NACHRICHTEN

Bundesregierung nicht an Zwischenergebnissen der Enquete-Kommission interessiert: Vor vier Monaten hat die Enquete-Kommission des Bundestags zur Künstlichen Intelligenz erste Zwischenergebnisse präsentiert. Zu der Veröffentlichung kam es, weil Oppositionspolitiker gefordert hatten, die “guten Ergebnisse” vorzulegen. Die Bundesregierung will von den Ergebnissen jedoch offenbar nichts wissen. “Die Bundesregierung richtet ihr Handeln nicht bereits nach vorläufigen Zwischenberichten aus und bewertet diese auch nicht öffentlich”, so Michael Meister (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Forschungsministerium (BMBF). Die Grünen-Politikerin Anna Christmann, die in der Kommission mitarbeitet, kritisiert diese Entscheidung: “Wenn die Empfehlungen derartig missachtet werden, stelle ich mir ernsthaft die Frage, wozu wir den Aufwand der Enquete-Kommission überhaupt betreiben.”
tagesspiegel.de

Microsoft KI sorgt für bessere Fehler-Klassifizierung: Das Security-Team von Microsoft verwendet eine neue KI-Methode, um gemeldete Fehler zu klassifizieren. Laut eine Blogeintrag von Microsoft würden Ingenieure zu viel Zeit für Fehlalarme aufwenden oder auf der anderen Seite kritische Sicherheitslücken übersehen. Eine KI wurde deshalb mit einer Grundlage von 13 Millionen Fehlermeldungen trainiert. Der Algorithmus sei nun in der Lage, in 99 Prozent aller Fälle gemeldete Fehler korrekt als sicherheitsrelevant zu klassifizieren und in 97 Prozent aller Fälle korrekt als kritisch oder nicht kritisch einzusortieren.
t3n.de

Social Distance Algorithmus: Eine KI des Start-ups Landing AI soll dafür sorgen, dass Menschen in Zeiten des Coronavirus den gebührenden Sicherheitsabstand einhalten. Das Programm eignet sich besonders für den Einsatz auf Firmengeländen. Die KI überwacht mithilfe von Sicherheitskameras die Mitarbeiter und benachrichtigt diese, wenn sie die soziale Distanz nicht einhalten. Über Nacht könnten Berichte für Manager erstellt werden, damit diese bei Bedarf die Arbeitsbereiche neu ordnen.
heise.de

MIT beendet Kooperation mit chinesischem KI-Unternehmen: Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat eine Kooperation mit dem chinesischen KI-Unternehmen iFlytek beendet. Grund dafür sind möglicherweise Anschuldigungen, dass iFlytek in die Überwachung von Muslimen in der nordwestlichen Provinz Xinjiang verwickelt sein könnte. Maria Zuber, Vizepräsidentin für Forschung am MIT, sagte, man nehme “Besorgnis über Bedrohungen der nationalen Sicherheit und der wirtschaftlichen Sicherheit durch China und andere Länder sowie Menschenrechtsfragen sehr ernst”.
wired.com

Google-KI für geschlechtergerechte Übersetzungen: Google hat ein neues KI-Modell veröffentlicht, das dafür sorgen soll, dass bei Übersetzungen bestimmte Berufe nicht automatisch Geschlechtern zugeordnet werden. Bislang waren Soldaten meist männlich und Krankenschwestern weiblich. Das neue System ist in der Lage, für eine Vielzahl von Sprachen, jeweils eine Alternative bei der Übersetzung zu bieten. Die KI wurde dafür mit Millionen von Sätzen in englischer Sprache trainiert.
t3n.de

Studie: Algorithmus soll Social Bots erfolgreich auf die Spur kommen heise.de
Start-up: Tobias Hann ist neuer CEO des Synthetic Data-Startups Mostly AI derbrutkasten.com
Nvidia Jetson: Aaeon stellt neue KI-Systeme vor heise.de
KI im Alltag: 8 Dinge, in denen KI steckt mixed.de
Musik: KI feat. Björk – Wie klingt die Sonne? deutschlandfunk.de

ZAHL DER WOCHE

2.000 Menschen sollen 2021 in die sogenannte Woven City der Firma Toyota ziehen. Unter anderem werden die Bewohner dort durch den Einsatz von KI medizinisch überwacht.
motor.at

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Das Coronavirus schränkt unser soziales Leben ein – richtigerweise müssen Menschen vor lebensgefährlichen Infektionen geschützt werden. Wenn Begegnungsräume nicht mehr erreichbar sind, verlieren wir Möglichkeiten zum Austausch und Lernen. Wer nach Verbindung sucht, nutzt digitale Alternativen. Wir unterstützen dabei, Begegnungen online zu schaffen – mit Veranstaltungsstreams können Sie die wichtigen menschlichen Verbindungen dennoch knüpfen.
livestreaming-berlin.tv

HINTERGRUND

Antonio Krüger für mehr Vernetzung bei der KI-Forschung: DFKI-Chef Antonio Krüger fordert eine Vernetzung der Akteure in Wissenschaft, Forschung und Industrie, um KI-Forschungsergebnisse in Deutschland und Europa effizienter zu nutzen. Für die Grundlagenforschung brauche es Netzwerke, um die nötigen Normen und Standards zu erarbeiten. Mit den Initiativen CLAIRE und ELLIS gebe es bereits erste positive Beispiele. Es brauche jedoch ein europäisches Leuchtturm-Projekt, um KI-Wissenschaftler und Anwender für die Arbeit an zukunftsweisenden KI-Themen zusammenzubringen. Krüger geht davon aus, dass die Bedeutung von hybriden KI-Verfahren künftig stark wachsen wird. Damit ist die Erklärbarkeit eines Systemergebnisses, die Vorhersagbarkeit zukünftiger Ergebnisse und die Nachvollziehbarkeit der Leistungserbringung gemeint.
background.tagesspiegel.de

Wenn KI-Forschung gefährlich wird: KI-Programme werden immer effizienter und liefern teilweise erstaunliche Ergebnisse, beispielsweise bei der Erstellung von Deep Fakes. Die wissenschaftliche Community, die sich mit diesen Themen befasst, setzt dabei vor allem auf den freien Zugang zu Forschungsergebnissen, um die Wissenschaft voranzubringen. Restriktionen von wissenschaftlichen Publikationen finden sich kaum. Bei Ergebnissen aus Forschungsgebieten wie der Nuklearphysik oder der synthetischen Biologie ist eine solche Zensur hingegen aus nachvollziehbaren Gründen Gang und gäbe. In der KI-Forschung wird teilweise der gesamte Quellcode eines Algorithmus über Plattformen wie Github veröffentlicht. Inzwischen warnen jedoch auch KI-Forscher vor dem laxen Umgang mit Forschungsergebnissen. Michal Kosinski, Professor an der Stanford University, warnte schon 2013, seine Forschung könne eine Gefahr für das Wohlergehen, die Freiheit oder das sogar das Leben von Menschen darstellen”. Tatsächlich entwickeln Firmen wie Cambridge Analytica basierend auf seiner Forschung Methoden, um demokratische Wahlen zu manipulieren.
golem.de

PROJEKT DER WOCHE

KI entwickelt Parfum: Die Firma Symrise nutzt eine Künstliche Intelligenz namens Philyra, um neue Parfums zu entwickeln. Das System wurde zusammen mit IBM entworfen. Anhand bestimmter Vorgaben wie der gewünschten Duftnote erstellt das Programm neue Kombinationen. Dafür hat Philyra Zugang zu einem Datensatz mit mehr als 2,25 Millionen Parfums. Für das brasilianische Kosmetikunternehmen O’Boticario entwickelte die KI ein Parfum, das als erster von einer künstlichen Intelligenz entwickelte Duft beworben wurde.
faz.net

ZITAT

“Entwickler können nun relativ schnell neue Anwendungen schaffen, ohne in mühsamer Kleinarbeit über Jahre hinweg eigene Expertensysteme bauen zu ­müssen.”
KI-Experte Douglas Lenat über den gegenwärtigen Stand der KI in Forschung und Entwicklung.
heise.de

UNGEKÜNSTELT

Ausstellung über Digitalisierung und KI in Frankfurt: Die Ausstellung “How to make a paradise” im Frankfurter Kunstverein stellt die Frage, wie Künstliche Intelligenz und die Digitalisierung unsere Leben verändert. Neun Künstler und Kollektive zeigen ihre Kunstwerke. Zu sehen sind unter anderem computergenerierte menschliche Figuren, die auf Wind, Gravitation oder Kollision reagieren. Trotz des Themas der Digitalisierung ist die Ausstellung nur im analogen Raum zu sehen. Dieser ist wegen der Corona-Krise derzeit jedoch geschlossen. Die Ausstellung läuft bis zum 16. August. Interessierte werden die Kunstwerke deshalb mit etwas Glück noch zu sehen bekommen.
deutschlandfunk.de

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