KW13: KI-Strategie der Regierung wird zur „Luftnummer“, Wirtschaftsminister Altmaier prüft Gründung von KI-Airbus, Facebooks Künstliche Intelligenz erkannte Christchurch-Video nicht

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NACHRICHTEN

KI-Strategie der Regierung wird zur „Luftnummer“: Im Dezember vergangenen Jahres verkündete Kanzlerin Angela Merkel auf dem Digitalgipfel, dass bis 2025 insgesamt drei Milliarden Euro in die Förderung der Künstlichen Intelligenz fließen sollen. Auf diese Weise soll Deutschland bei der Zukunftstechnologie ganz vorne mitspielen können. Doch aus diesen Plänen wird nichts, wie sich herausstellte. Denn Finanzminister Olaf Scholz hat gar keine zusätzlichen Mittel für die Erforschung und Förderung von KI in seinem Haushaltsplan zur Seite gelegt. Die Folge: Die groß angelegte Drei-Milliarden-Strategie der Bundesregierung für KI schrumpft deutlich. So soll es bis 2023 ingesamt nur noch 500 Millionen Euro zusätzlich geben. Im internationalen Vergleich steht die Bundesrepublik damit mickrig da. Thomas Sattelberber, Forschungspolitiker der FDP-Fraktion, brachte es so auf den Punkt: “Finanzminister Scholz dreht dem Thema Künstliche Intelligenz den Hahn zu. Welch Blamage für die Bundesregierung mit ihrer herausposaunten KI-Strategie”.
handelsblatt.com

Wirtschaftsminister Altmaier prüft Gründung von KI-Airbus: Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich die Gründung eines europäischen KI-Unternehmens nach Airbus-Vorbild zum Ziel gesetzt und will den Standort Europa für die Künstliche Intelligenz im Vergleich zur USA attraktiver gestalten. Dort werde von privaten Unternehmen zehn bis 20 Mal mehr in KI investiert als in Europa. Ein KI-Airbus solle Kräfte besser bündeln und für marktfähige Produkte sorgen. Der Konzern soll dabei zu Anfang in drei Feldern aktiv werden: Der Entwicklung des autonomen Fahrens, in der Gesundheit und medizinischen Diagnostik sowie der Industrie 4.0. Auch soll ein großer Venture-Capital-Fonds eingerichtet werden. So sollen Investitionen in KI-Startups attraktiver werden. Bei Investitionen über 50 Millionen Euro kämen die meisten Angebote aus den USA und China.
tagesspiegel.de

Facebooks Künstliche Intelligenz erkannte Christchurch-Video nicht: Facebooks auf Künstlicher Intelligenz basierende Software, welche Livestreams auf unangemessene Inhalte überprüfen soll, hat beim Video des Massakers in einer Moschee im neuseeländischen Christchurch nicht reagiert. Facebook erklärte am Donnerstag, dass dazu die erforderlichen Daten fehlen. Die Systeme mit genau solchen Inhalten zu versorgen sei schwierig, “da solche Ereignisse dankenswerterweise selten sind”. Auch sei es eine Herausforderung für die Systeme, echte Gewalt von der Übertragung von Videospielen zu unterscheiden. Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hatte Anfang der Woche die Digitalkonzerne aufgefordert, ihrer moralischen Verpflichtung nachzukommen. Der 17-minütige Livestream des Massakers, bei dem 50 Menschen getötet wurden, wurde von etwa 200 Nutzern gesehen. Der erste Nutzerhinweis ging erst 12 Minuten nach dem Ende der Übertragung ein.
heise.de

NGOs fordern Verbot autonomer Waffen: 12 deutsche Nichtregierungsorganisationen und Hilfswerke, darunter Brot für die Welt, Misereor, Greenpeace und Oxfam, riefen in einem offenen Brief an Außenminister Heiko Maas die Bundesregierung zu einem Verbot autonomer Waffensysteme auf. Dafür solle sich die Regierung im Rahmen der Expertengespräche der Vereinten Nationen in Genf (CCW) umgehend und explizit einsetzen. Autonome Waffen, sogenannte „Killer-Robots“, müssen nicht nur in ausreichendem Maße zwischen Zivilist*innen und Kombattant*innen unterscheiden, sondern auch den Effekt eines jeden möglichen Waffeneinsatzes im Voraus berechnen oder zusätzlich zur Ziel- und Waffenauswahl Abwägungsentscheidungen treffen, so die Organisationen. In Deutschland sprechen sich in Umfragen derzeit 72% der Befragten gegen autonome Waffensysteme aus.
lifepr.de

Vereinigung Cockpit gegen autonome Flugzeuge: Die Piloten der Vereinigung Cockpit sehen dem Trend zur zunehmenden Automatisierung von Betriebsabläufen in Flugzeugen mit Sorge entgegen. Flugzeuge künftig ohne Piloten zu betreiben lehnt die Frankfurter Vereinigung ab. Markus Wahl, Präsident der Pilotengewerkschaft, mahnte, dass das höchste Sicherheitsniveau nur in Kombination von Mensch und Maschine erreicht werden könne. Es gebe derzeit Bestrebungen, auf besonders langen Flügen den dritten Piloten einzusparen. Er sehe das nur als Zwischenziel der Airlines und Flugzeughersteller, die aus Kostengründen langfristig ganz ohne Menschen im Cockpit auskommen wollten. Es stelle sich aber längst die Frage, wie viel zusätzliche Technik dort noch verkraftbar sei. Auch fordert Wahl eine gründliche Regulierung des Einsatzes von Drohnen und Flugtaxis, bevor diese in die Luft gehen.
merkur.de

Verbraucherschutzministerium: Mehr Transparenz bei KI n-tv.de
Militär: Wie KI-Systeme die Ausbildung verändern deutschlandfunk.de
Jobkiller oder Chance: Wie KI den Arbeitsmarkt verändert focus.de
DAU: Dümmster anzunehmender User sueddeutsche.de
Kriminalität: KI erkennt Taschendiebe noch bevor sie klauen mobilegeeks.de

HINTERGRUND

Ist der Deep-Learning-Boom bald am Ende? Deep Learning kommt in zahlreichen Teilen der Rech-Branche zum Einsatz. Das statistische Verfahren kann in großen Datenmengen Muster erkennen und dabei die Daten für den Algorithmus selbst bilden. Dennoch befürchten Experten der MIT Technology Review, dass es mit diesem Boom demnächst vorbei sein könnte. Anhand aller zwischen 1993 bis 2018 veröffentlichen wissenschaftlichen Papiere zur KI-Forschung bei Arxiv, einer der größten Open-Source-Datenbanken zu wissenschaftlicher Forschung im Netz, lassen sich drei Trends ableiten: Eine Verschiebung in Richtung Machine Learning, die steigende Beliebtheit künstlicher neuronaler Netze ab Anfang der 2010er-Jahre sowie die steigende Beliebtheit des Reinforcement Learning. Die Forscher halten es für möglich, dass auf den Hype rund um Deep Learning der nächste KI-Winter folgt.
t3n.de

Firmen einigen sich auf ethische Grundwerte: Unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes KI haben sich über 50 Unternehmen in Deutschland auf ein gemeinsames Gütesiegel für die Künstliche Intelligenz geeinigt. So soll die Einhaltung von ethischen Grundwerten sowie der sichere und datenschutzkonforme Umgang mit verwendeten Daten gesichert werden. Mit dem Gütesiegel verpflichten sich die Unternehmen darauf, bei der Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz das Interesse der Menschen ins Zentrum zu stellen und sich an die “europäischen Grundwerte Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit” zu halten. Jörg Bienert, Vorstand des Verbands, sieht in dem Gütesiegel KI das Potenzial, zu einem Markenzeichen zu werden.
heise.de

Mehr KI erfordert weniger Energie: Das Bundesministerium startet einen Innovationswettbewerb zu energieeffizienten KI-Systemen. Laut BMBF ist der Energieverbrauch von heutigen KI-Systemen für viele Anwendungen, besonders in mobilen und sicherheitskritischen Bereichen, viel zu hoch. Daher lädt das Bundesamt Forscher nun ein, für eine vorgegebene Aufgabe ein KI-System mit dem niedrigsten möglichen Energieverbrauch zu entwerfen. Sieger des Pilotinnovationswettbewerbs können sich auf Folgeprojekte freuen, mit deren Hilfe sie ihre Konzepte gemeinsam mit Industrie und Anwendern fortentwickeln können.
bmbf.de

PROJEKT DER WOCHE

Die erste genderneutrale Stimme: Die New Yorker Kreativagentur Virtue hat in Kooperation mit Copenhagen Pride die weltweit erste Stimme erarbeitet, die als geschlechtsneutral gelten kann. Die “Q” genannte Stimme soll eine Alternative zu Siri, Alexa und Google Assistant bieten. Auf diese Weise will die Kreativagentur hinter dem Projekt gegen den Trend der geschlechtsabhängigen Vorurteile in der Technologie antreten. Männliche Stimmen würden in eher autoritären Rollen wie Banking- und Versicherungsapps genutzt, während weibliche Stimmen eher in serviceorientierten Anwendungen zum Einsatz kommen. Zur Konzeption der neutralen Stimme war eine Umfrage unter 4600 Teilnehmern notwendig, welche die Stimmen nach ihrer vermeintlichen, wahrgenommenen “Männlichkeit” bzw. “Weiblichkeit” einordnen mussten. Von der neutralsten Stimme ausgehend wurde dann “Q” konzipiert.
dezeen.com

ZITAT

“Die Anwendungsrelevanz der KI-Grundlagenforschung bedeutet, dass sie hohe Renditen schaffen kann. Das ist der Grund, dass große Datenunternehmen wie Google, Facebook, Amazon und Dienstleistungshäuser wie Salesforce plötzlich hohes Interesse daran haben, interne KI-Forschungsgruppen aufzubauen. Der Arbeitsmarkt für Expertinnen und Experten im maschinellen Lernen ist inzwischen leergefegt, die Wirtschaft zahlt astronomisch anmutende Gehälter für Forscherinnen und Forscher aus dem Elfenbeinturm und bietet ihnen sogar Freiheiten im Publizieren an.”
Dietmar Harhoff, oberster Innovationsberater der Bundesregierung und Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation, warnt davor, dass die attraktiven Gehälter der Tech-Giganten zu einem Braindrain in der öffentlichen KI-Forschung führen könnten.
faz.net

UNGEKÜNSTELT

Robotermuseum in Seoul baut sich selbst: In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul soll im Jahr 2020 ein Museum entstehen, dessen Thematik schon während des Baus sichtbar werden wird – das Museum soll sich teilweise selbst bauen. So sollen die Metallhaut, die Struktur sowie die umliegende 3-D-Betonlandschaft des im Stadtteil Changbai Economic Center geplanten Gebäudes von einer Reihe von Robotern hergestellt und montiert werden, die von einer BIM-Software gesteuert werden. Diese außergewöhnliche Technologie-Demonstration wird auch eine Art spontane Sonderausstellung über die Fähigkeiten von Robotern im Hochbau sein. Das 6.500 Quadratmeter große Museum wird auf vier Etagen Ausstellungen, Lehrwerkstätten und Labore beherbergen, welche “die öffentliche Aufklärung über Robotik unterstützen und das öffentliche Wissen und Interesse an Robotern erhöhen” sollen.
inexhibit.com

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