KW 12: Utah führt predictive policing ein, Medizin benötigt KI-Experten, Auch EU-Länder arbeiten mit Clearview

NACHRICHTEN

Utah führt predictive policing ein: Der US-Bundesstaat Utah arbeitet mit der IT-Firma Banjo, die sich auf Künstliche Intelligenz spezialisiert hat zusammen, um das sogenannte “predicitive policing” umzusetzen. Utah schloss dafür einen Vertrag über fünf Jahre mit der Firma, die von dem Staat 20,7 Millionen Euro erhalten wird. Banjo wird Daten aus sozialen Netzwerken, Medien, Blogs und von Sensoren mit Videoaufnahmen von öffentlichen Kameras, Daten aus Fahrzeugen, Notrufsystemen und anderen Informationen kombinieren. So will das Unternehmen zeitnah Verbrechen und Notsituationen erkennen können und die Behörden darüber informieren. Neben der Verbrechensbekämpfung ist für Banjo auch die Versorgung von Obdachlosen oder Verkehrsüberwachung denkbar. Der Vertrag legt Wert auf die Wahrung der Datenanonymität. Banjo arbeitet mit mehr als 100 Gemeinden in dem Bundesstaat sowie der Universität von Utah und der Highway Patrol zusammen.
heise.de

Medizin benötigt KI-Experten: Der Bericht “Transforming healthcare with AI: The impact on the workforce and organisations” des European Institute of Innovation & Technology (EIT) fordert eine bessere Qualifikation von medizinischem Fachpersonal, um die Umsetzung von KI in der Medizinbranche zu gewährleisten. Für die Studie wurden 237 Fach- und Führungskräften des Gesundheitswesens sowie Investoren und Start-up-Gründer befragt. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass KI in der Medizin momentan besonders im Bereich der Diagnostik Anwendung findet. In Zukunft soll sich der Einsatz von KI aber auf viele klinische Entscheidungsfindungsprozesse ausweiten. Im Moment fehlen dafür jedoch Fachleute und medizinisches Personal. Künstliche Intelligenz könnte aber auch bei dem generellen weltweiten Fachkräftemangel in der Medizin helfen. Die WHO schätzt, dass bis 2030 weltweit 9,9 Millionen Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen fehlen werden.
aerzteblatt.de

Viele Unternehmen kennen sich mit KI nicht aus: Die Beraterfirma BearingPoint hat 600 Unternehmensvertreter zu ihrer Einstellung zum Thema KI befragt. 68 Prozent der Befragten, in deren Unternehmen KI noch nicht zum Einsatz kommt, wüssten nicht, wie sie sich dem Thema annähern sollten. Abhilfe schaffen können hier externe Berater. So gaben 42 Prozent der Unternehmensvertreter, in deren Firmen KI bereits eingesetzt wird, an, dass sie sich bei dem Thema von Externen beraten lassen. Weitere 25 Prozent informieren sich vorzugsweise auf Messen, 20 Prozent setzen hingegen auf die Kooperation mit KI-Start-ups. Mit 99 Prozent ist so gut allen Unternehmen klar, dass die Verfügbarkeit, Qualität und Nachvollziehbarkeit von Daten enorm wichtig ist, wenn es um die Umsetzung von KI geht. Theodor Schabicki, Partner bei BearingPoint, stellt fest, dass es auch für Nachzügler nicht zu spät sei, sich mit KI zu beschäftigen. Wichtig sei es nur, nicht von Anfang an zu hohe Erwartungen zu stellen.
it-daily.net

KI gegen Corona: Immer mehr Apps, die sich mit dem Coronavirus beschäftigen, kommen auf den Markt. So auch die Anwendung “Fasterthancorona”, in der Nutzer nach Informationen wie ihrer Postleitzahl oder ihrem Hygieneverhalten gefragt werden. Eine KI vergleicht diese Angaben dann mit anderen Personen im selben Wohngebiet. So sollen Nutzer ihr Infektionsrisiko besser einschätzen können. Auch soll es möglich sein, im Fall einer Infektion mit dem Virus den persönlichen Krankheitsverlauf zu dokumentieren, um erkennen zu können, ob der Verlauf typisch für die Krankheit ist oder ein gesundheitliches Risiko besteht. Experten mahnen jedoch, dass die Verknüpfung von Informationen wie der Postleitzahl mit Gesundheitsdaten eine leichte Identifizierung der Nutzer ermögliche. Auch nutze die App nicht die gängige Zwei-Faktor-Authentisierung, was das Sicherheitsrisiko erhöhe. Tobias Gantner, der Gründer der Plattform entgegnete: “Diese Diskussion müssen wir ohnehin führen, nur, dass es sich in der Coronakrise nicht mehr um ein abstraktes Problem handelt. Unsere Anwendung ist freiwillig, ich halte die Nutzer für mündig, selbst zu entscheiden.”
handelsblatt.com

Enquete-Kommission startet Befragung zu KI: Die Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz des Bundestags will Deutschlands Bürger zu ihrer Meinung über KI befragen. Dazu startete die Kommission eine Online-Plattform, auf der registrierte Nutzer ihre Gedanken zu dem Thema mitteilen können. Die Plattform basiert auf der Adhocracy-Software. Die Kommission Künstliche Intelligenz hat den Auftrag, Chancen, Potenziale und Risiken rund um das Thema KI zu identifizieren. Am Ende sollen dabei Handlungsempfehlungen herauskommen.
heise.de

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ZAHL DER WOCHE

Über 5000 Filter nutzt Facebook, um gezielt Werbung an seine Nutzer auszuspielen.
swr.de

HINTERGRUND

Wie KI Entscheidungen trifft: Ein großes Problem bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz ist die Überprüfung getroffener KI-Entscheidungen durch den Menschen. Der Entscheidungsfindungsprozess von KIs ist oft nicht einsehbar. Das EU-Parlament hat deshalb bereits im Februar eine Resolution verabschiedet, die nachvollziehbare und tendenzfreie Algorithmen fordert. Bei Verstoß drohen Anwendern Konsequenzen für entstehende Nachteile. Dr. Maximilian Poretschkin vom Projekt KI-Zertifizierung am Fraunhofer Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme ist der Ansicht, dass es zwar prinzipiell möglich sei, die Entscheidungen Künstlicher Intelligenzen nachzuvollziehen, besser wäre es allerdings, von Anfang an auf transparente KI zu setzen. Am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut arbeitet eine Forschungsgruppe am sogenannten LRP-Verfahren, das es möglich macht, KI-Entscheidungen in der Bilderkennung mittels farblicher Markierung von für die KI besonders wichtigen Stellen zu analysieren. Michael Fübi, Vorsitzender des Vorstands des TÜV Rheinland setzt sich außerdem für die Einführung von Risikoklassen und Prüfsiegeln für KIs ein und arbeitet dafür mit verschiedenen Institutionen zusammen.
heise.de

Auch EU-Länder arbeiten mit Clearview: Der Fall Clearview machte international Schlagzeilen. Die KI-Firma hatte eine riesige Gesichts-Datenbank angelegt und arbeitet mit US-amerikanischen Behörden bei der Verbrechensbekämpfung zusammen. Aber auch in der EU nutzen einige Staaten die Gesichtserkennung und legen Sammlungen von persönlichen Daten an, mit dem Ziel diese miteinander zu vernetzen. Eine Arbeitsgruppe der EU will einem internen Bericht zufolge dafür sorgen, dass die umfangreichen Bilddatenbanken einzelner Ländern in europäischem Rahmen miteinander verknüpft werden. Die Datenbanken der deutschen Sicherheitsbehörden führen beispielsweise momentan etwa 5,8 Millionen Fotos von Personen, die von Behörden angefragt werden können. In mindestens zehn europäischen Ländern ist laut einer Studie Gesichtserkennungs-Software im Einsatz. Weitere acht Länder planen, diese bald einzuführen. Clearview arbeitet nicht nur mit US-Behörden zusammen, auch aus Belgien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Italien und anderen europäischen Staaten kamen Anfragen für die Nutzung der Software. Einige Länder zählen bereits zu den Kunden von Clearview.
heise.de

PROJEKT DER WOCHE

KI entziffert Keilschrift: Forscher der University of Chicago arbeiten an einer KI, die Keilschrift und andere antike Schriften auf Ton- und Steintafeln übersetzen soll. Möglich macht dies ein Durchbruch in der Bilderkennung von KIs. So sei es gelungen, elamitische Keilschrift mit achtzigprozentiger Genauigkeit zu übersetzen, ein Wert der für Archäologen bereits eine große Entlastung darstellen kann. Häufig vorkommende Zeichen und Wörter könnten so von der KI übersetzt werden, während sich Forscher auf kompliziertere Teile wie Ortsnamen oder Verben konzentrieren. Trainiert wurde die KI mit 60 Terabyte Material von Schrifttafeln, die bereits analysiert wurden.
computerwelt.at

ZITAT

“Ein Algorithmus lernt gar nichts. Ein Algorithmus wird programmiert und dann ist er so, wie er ist. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Politiker das nicht verstehen.”
Peter Liggesmeyer vom Fraunhofer IESE in Kaiserslautern über das KI-Weißbuch der EU-Kommission und Missverständnisse bei der Funktion von KI.
golem.de

UNGEKÜNSTELT

KI-Überwachung von Angestellten oft rechtswidrig: Die Forschungsgruppe AlgorithmWatch kommt nach einer zweijährigen Studie zu dem Schluss, dass Unternehmen oft unbewusst rechtswidrig KI einsetzen könnten, um Angestellte zu analysieren. Ein prominentes Beispiel für einen solchen Einsatz von KI lieferte Zalando Ende vergangenen Jahres. Der Versandhändler hatte die Software Zonar eingesetzt, um Mitarbeiter zu überwachen und zu bewerten. AlgorithmWatch ist der Ansicht, dass Unternehmen solche Software nur dann einsetzen dürften, wenn dazu eine Betriebsvereinbarung geschlossen wurde oder eine Zustimmung der Beschäftigten vorläge. Da die Rechtslage zur Zeit an vielen Stellen noch unklar ist, fordert AlgorithmWatch bei den Gesetzen nachzubessern, um Rechtssicherheit zu schaffen und Angestellte zu schützen.
haufe.de

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